Ci3- Jedem Patienten die eigene Arznei

Eine der Antworten auf die großen Herausforderungen des Gesundheitswesens heißt „personalisierte Medizin“. Wie diese speziell in der Immuntherapie aussehen kann, wird im Spitzencluster Ci3 erforscht – mit bemerkenswertem Erfolg.

Jeder Tumor ist anders. Logisch wäre also, jedem Krebspatienten ein individuell auf ihn abgestimmtes Medikament zu geben, das effektiver, verträglicher und langfristig günstiger für das Gesundheitswesen wäre. Diese Vision verfolgt der Cluster für Individualisierte ImmunIntervention (Ci3): die gezielte Förderung medizinischer Strategien, die das Immunsystem zur Behandlung von Krebs, Autoimmunerkrankungen und Infektionen nutzen. Dafür bündelt Ci3 die im Rhein-Main-Gebiet vorhandene Expertise aus Wissenschaft und Wirtschaft. Die rund 120 Clusterpartner sind ihrem Ziel, der individuellen Immuntherapie zum Durchbruch zu verhelfen, bereits ein gutes Stück nähergekommen.

Schon jetzt hat Ci3, von 2012 bis 2017 in der dritten Runde des Spitzencluster-Wettbewerbs gefördert, eine herausragende internationale Stellung. Der jüngste Erfolg ist die Gründung des Helmholtz-Instituts HI-TRON Mainz, einer Kooperation zwischen Clusterpartner TRON (Translationale Onkologie an der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz) und dem Deutschen Krebsforschungszentrum. Das HI-TRON soll sich künftig zu einem weltweit führenden Zentrum für personalisierte Krebsimmuntherapie entwickeln. Dafür stellen die Kooperationspartner, weitere Clusterpartner und das Land Rheinland-Pfalz mehr als 30 Mio. EUR u. a. für ein neues Forschungsgebäude zur Verfügung.

Auch während des Förderzeitraums hat Ci3 dazu beigetragen, dass über 200 Mio. EUR öffentlicher und privater Gelder in die Forschungsinfrastruktur der Region geflossen sind. Außerdem wurden 53 Patente angemeldet, Artikel in hochkarätigen Journalen wie Nature publiziert und 33 Forschungsprojekte initiiert. Eines der Leuchtturm-Projekte ist IVAC („Individualisierte Vakzine zur Therapie des malignen Melanoms“), bei dem es um maßgeschneiderte RNA-Impfstoffe geht, die auf Basis von Genomanalysen über eine innovative Technologieplattform hergestellt werden. Der auf Krebsimmuntherapien spezialisierte Clusterpartner BioNTech hat IVAC® MUTANOME entwickelt und die erste Phase der klinischen Testung abgeschlossen – mit vielversprechendem Ergebnis: Laut den Studiendaten löst der neue Impfstoff eine starke Antitumoraktivität des Immunsystems aus. Mit Genentech, einer US-Tochter von Roche, wird nun an dessen Standardisierung und Anwendbarkeit gearbeitet. Gemäß Vereinbarung erhält BioNTech eine Vertragsabschlusszahlung und kurzfristige Meilensteinzahlungen von 310 Mio. USD von Genentech. Entwicklungskosten und potentielle Gewinne werden zu gleichen Teilen unter den Unternehmen aufgeteilt.

Ein weiteres Leuchtturm-Projekt ist KETI („Klinische Entwicklung von Transglutaminase-Inhibitoren zur Behandlung von Zöliakie“). Zöliakie-Patienten leiden unter einer Glutenunverträglichkeit, die geringe Symptome bis hin zur Entstehung von Tumoren zur Folge haben kann.  Bisher ist die einzige Therapie eine strikt glutenfreie Diät, deren Einhaltung nahezu unmöglich ist. Im Projekt KETI werden Blocker des Enzyms Transglutaminase, dessen Überaktivität die Krankheit verursacht, entwickelt. Nach ersten klinischen Studien, die die Sicherheit und Verträglichkeit der Blocker belegten, wird nun die Wirksamkeit geprüft.

Auch nach Auslaufen der Spitzenclusterförderung setzt sich Ci3 für die personalisierte Medizin ein: Von 2016 bis 2018 beteiligte sich Ci3 am EU-geförderten Projekt „PERMIDES“ mit dem Ziel, die Entwicklung digitaler Lösungen für die personalisierte Medizin zu fördern. Anfang 2018 startete zudem das BMBF-Projekt „Health Axis Europe Partnering“ (HAEP), durch das der Innovationstransfer zwischen Wissenschaft und Unternehmen der Gesundheitsbranche gestärkt werden soll. Projektpartner sind u. a. der Spitzencluster BioRN und der Forschungscampus M2OLIE. Ci3 unterstützt außerdem die im Januar 2019 vom BMBF ausgerufene Nationale Dekade gegen Krebs.

Autorenschaft: Dieter Beste, Thomas Corrinth und Dr. Elena Winter im Auftrag des BMBF, aktualisiert durch den Spitzencluster.