Software-Cluster: Dirigenten der digitalen Arbeitswelt

Der Software-Cluster entwickelt Lösungen, um Prozesse in Unternehmen zu digitalisieren – und leistet damit branchenübergreifend einen Beitrag für mehr Produkt- und Prozessinnovationen.

Das „Silicon Valley für Unternehmenssoftware“? Liegt nicht in Kalifornien, sondern in Europa. Genauer: in der Region rund um Darmstadt, Kaiserslautern, Karlsruhe und Saarbrücken. Hier konzentrieren sich weltweit führende Unternehmen, Informatik-Fakultäten an Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Sie haben sich als wichtige Akteure der Branche zum Software-Cluster zusammengeschlossen und bilden aus dem Zusammenspiel ihrer vielen kleinen Einheiten ein großes Software-Konzert. Ihr Ziel: innovative IT-Lösungen für den Businessbereich, die den Herausforderungen der Digitalisierung, der Vernetzung von Prozessen und den Entwicklungen im Bereich Cloud-Computing gerecht werden.

Um vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) dabei zu unterstützen, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und ihre Angebote besser auf offenen Marktplätzen zu positionieren, führte der Cluster zum Beispiel das Projekt InDiNet „Innovative Dienstleistungen im zukünftigen Internet“ durch. Dabei wurde eine Plattform entwickelt, die modulare, über das Internet verteilte Software zum Einsatz bringt. Hauptaufgabe von InDiNet war es, die Komplexität, die damit einhergeht, für die Dienstanbieter und -nutzer beherrschbar zu machen. KMUs können so Dienste, die unter Umständen auch branchenspezifisch und speziell sind, in ihre Prozesse und Abläufe einbinden. Dabei müssen sie nicht unbedingt intern über die nötigen betriebswirtschaftlichen und technischen Kenntnisse verfügen. Für die Entwicklung der Plattform war der Software-Cluster ein entscheidendes Kettenglied, indem er zahlreiche unterschiedliche Anwender und Hersteller mit einem entsprechend breiten Know-how-Spektrum zusammenbrachte.

Wo Ideen wie diese reifen sollen, braucht es auch langfristig engagierte Fachkräfte: Nachwuchsförderung und Qualifizierung sieht der Software-Cluster daher als einen wichtigen Auftrag an. Der Bedarf an gut ausgebildetem Personal ist gerade in der Cluster-Region mit ihren 11.000 Software-Unternehmen besonders hoch. Eine Maßnahme, die während der Förderphase von 2010 bis 2015 ins Leben gerufen wurde, war die Etablierung eines Zusatzzertifikats in bestehenden Masterstudiengängen der beteiligten Universitäten mit der Vertiefungsrichtung „Softwareinnovationen für das Digitale Unternehmen“. Zudem wurde das Referenzcurriculum mit den Schwerpunkten Software Engineering, IT-Security, Pervasive Computing und Cloud Computing im Spitzencluster abgestimmt, ebenso die gegenseitige Anerkennung von Prüfungsleistungen zwischen den Hochschulen.

Als Zusammenschluss von vier regionalen Einzelstandorten passt der Software-Cluster sein Management dynamisch an die Erfordernisse seiner Regionalpartner an – er hat sich überwiegend dezentral organisiert. Aufgrund der weiterhin zunehmenden Bedeutung von Softwarelösungen in den unterschiedlichen Anwendungsfeldern knüpft der Spitzencluster darüber hinaus nationale und internationale Forschungs- und Entwicklungskooperationen, etwa in der individualisierten Immunintervention oder dem Energiemanagement.

Auf internationaler Ebene ist der Cluster zunehmend aktiv: So hat er im September 2017 im Rahmen des BMBF-Projekts SCIKE gemeinsam mit führenden Technologieregionen mit der Realisierung internationaler Kooperationen begonnen, breit aufgestellt mit dem Silicon Valley in Kalifornien, mit Singapur für die Region Asien und mit Bahia, Brasilien. Ziel des Projekts: gemeinsame Technologievorhaben auf Augenhöhe umzusetzen und ein Netzwerk zu schaffen, das den Zugang u. a. zum US-Absatzmarkt eröffnet, dem größten Markt für IT und Software weltweit.

Autorenschaft: Dieter Beste, Thomas Corrinth und Dr. Elena Winter im Auftrag des BMBF